Neyer-ZUKUNFTSDIALOG: Die Nationale Wasserstoffstrategie



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Neyer-ZUKUNFTSDIALOG: Die Nationale Wasserstoffstrategie

Dr. Daniel Teichmann - der Senkrechtstarter in der deutschen Wasserstoffszene - verrät im Interview mit Christoph Neyer mehr zur nationalen Wasserstoffstrategie.

Dr. Daniel Teichmann ist Gründer und Geschäftsführer der Firma Hydrogenious LOHC Technologies. Er verfügt über langjährige Erfahrung in der Wasserstoff- und Automobilindustrie. Inzwischen gehört er deutschlandweit zu den Vordenkern in der Branche.

Daniel Teichmann und Christoph Neyer kennen sich schon seit der Studienzeit, beide waren Stipendiaten der Stiftung der Deutschen Wirtschaft und zeitgleich in der Forschungsabteilung von BMW beschäftigt. Im Interview möchte Christoph Neyer mehr zur nationalen Wasserstoffstrategie erfahren:

Christoph Neyer: Daniel, als Gegenargument für die Nutzung von Wasserstoff wird oft angeführt, dass Wasserstoff schwierig zu lagern und transportieren sei. Ihr scheint hierfür eine Lösung zu haben. Erklär mal.

Daniel Teichmann: Ja, wir arbeiten seit etwa sieben Jahren an der sogenann-ten LOHC-Technologie (Liquid Organic Hydrogen Carrier-Technologie), die wir auch maßgeblich entwickelt haben. Dabei geht es darum Wasserstoff in großen Mengen möglichst einfach, sicher und kosteneffizient zu speichern, transportieren und handhaben. Das schaffen wir, indem wir Wasserstoff an ein Öl binden und so flüssig lagern. Das Öl lagert bei Raumtemperatur und normalen Drücken, ohne dass es leicht entzündlich wäre. Herkömmliche Technologien arbeiten mit Drücken von 200 bar oder Temperaturen von minus 250°C, dabei schaffen wir es die 3 bis 5-fache Kapazi-tät pro Volumen im Vergleich zu Druckgas zu speichern.
 
Christoph Neyer: Es scheint als wäre eure Technologie ein wichtiges Puzzle-teil bei der Nutzbarmachung von grünem Wasserstoff.  Am 10. Juni hat die Bundesregierung in einer Pressekonferenz die „Nationale Wasserstoffstrategie“ ausgerufen. Dabei wurde mit Superlativen nicht gespart. Peter Altmaier forderte nichts Geringeres als die globale Führungsrolle bei Wasserstofftech-nologien. Was genau verbirgt sich hinter der Nationalen Wasserstoffstrategie?

Daniel Teichmann: Um die Klimaschutzziele erreichbar zu machen, bietet Wasserstoff große Chance. Wasserstoff ist entscheidend für die Dekarbonisierung wichtiger deutscher Kernbranchen wie die Stahl- und Chemieindustrie, oder im Verkehrssektors. Zugleich können sich Wasserstofftechnologien zu einem zentralen Geschäftsfeld der deutschen Exportwirtschaft entwickeln. Das soll die Nationale Wasserstoffstrategie ermöglichen: Technologien zur Marktreife zu entwickeln und gleichzeitig stabile Absatzmärkte aufzubauen. 


Christoph Neyer: Unsere Leser sind Landwirte und einige unter ihnen produzieren Strom über Biogas- oder Pho-tovoltaikanlagen. Siehst Du Chancen für die Landwirtschaft von der Nationalen Wasserstoffstrategie zu profitieren?

Daniel Teichmann: Ich sehe definitiv, dass die Nationale Wasserstoffstrategie perspektivisch auch für die Landwirtschaft relevant ist. Zum einen bieten sich gerade schwere landwirtschaftli-che Fahrzeuge für eine Elektrifizierung über Wasserstoff an – hier wären kurze Betankungszeiten bei langen Reichweiten bzw. großen Leistungen möglich – im Grunde analog zur heutigen Nutzung von Diesel, nur eben mit Wasserdampf als einziger Emission. Zum zweiten könnten Landwirte als Produzenten von grünem Wasserstoff auftreten, sei es über Biomasse-zu-Wasserstoff-Verfahren oder aber über die elektrolytische Herstellung unter Nutzung von Strom aus Wind- oder Solaranlagen. Hier sind allerdings von der Politik eine Reihe von regulatorischen Fragen zu klären bzw. bestehende Limitierungen wie z.B. der Anfall von EEG-Gebühren zu beseitigen.

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